Kurzüberblick
- Gesetzlich versichert + deutsche Rente: In vielen Fällen bleibst du über die deutsche Krankenversicherung der Rentner (KVdR) abgesichert – medizinische Leistungen nutzt du auf Kreta über das griechische System, abgerechnet wird im Hintergrund.
- Schlüssel dazu: das Formular S1 (früher E121). Ohne S1 wird es im Alltag unnötig kompliziert.
- EHIC reicht nicht, wenn du wirklich dauerhaft umziehst (sie ist für vorübergehende Aufenthalte gedacht).
- Pflege ist der blinde Fleck: Pflegegeld ist oft „mitnehmbar“, Pflegesachleistungen aber nicht 1:1 wie in Deutschland.
- Privatversichert: Du brauchst vor dem Umzug eine schriftlich bestätigte Lösung (PKV weiterführen vs. Auslands-/Expat-Police) – im Alter ist „später klären“ riskant.

Für wen dieser Artikel gedacht ist
Für Rentnerinnen und Rentner aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die Kreta als neuen Lebensmittelpunkt planen – und wissen möchten, wie die Absicherung im Krankheitsfall praktisch funktioniert (nicht nur „theoretisch EU“).
1) Das Grundprinzip: EU-Regeln helfen – aber du musst aktiv werden
In der EU gibt es klare Koordinierungsregeln: Wer eine Rente aus dem Heimatland erhält und in einem anderen EU-Land wohnt, kann den Zugang zur Versorgung im Wohnland regeln – aber das klappt nur sauber, wenn du die richtigen Schritte gehst.
Damit du ein Gefühl bekommst, wie die medizinische Versorgung auf Kreta grundsätzlich aufgestellt ist (öffentlich vs. privat, Unterschiede nach Region), lies vorher oder parallel diesen Artikel:

2) Wenn du gesetzlich versichert bist: S1 ist dein Schlüssel
EHIC: gut für Urlaub – nicht für Auswandern
Die EHIC (europäische Krankenversicherungskarte) ist perfekt, wenn du vorübergehend auf Kreta bist (Urlaub, längerer Aufenthalt ohne Wohnsitzwechsel). Sobald du dauerhaft umziehst, ist die EHIC als „Dauerlösung“ nicht das richtige Werkzeug.
S1: das Dokument, das deinen Anspruch „überträgt“
Wenn du als Rentner nach Griechenland ziehst, ist in der Praxis fast immer das Formular S1 der zentrale Schritt:
- S1 bei deiner deutschen Krankenkasse beantragen (idealerweise mehrere Monate vor Umzug).
- In Griechenland registrieren, damit du dort im System geführt wirst und regulär Leistungen nutzen kannst (Arzt, Klinik, Rezepte etc.).
- Danach läuft die Abrechnung zwischen den Systemen – du brauchst im Alltag vor allem die korrekte Registrierung.
Wenn du dich ohnehin mit „im Alter auf Kreta leben“ beschäftigst, schau dir die beiden Teile an – dort werden auch Bürokratie und Alltagsthemen behandelt:


3) Beiträge: Zahlst du doppelt?
Hier entsteht viel Unsicherheit. In vielen klassischen Rentner-Konstellationen gilt:
- Die Beiträge werden weiterhin wie gewohnt über deine deutsche Rente bzw. dein deutsches System abgewickelt,
- und du zahlst nicht „automatisch“ noch einmal zusätzlich in Griechenland – solange du dort nicht in eine neue Versicherungspflicht rutschst.
Die größte Schwachstelle (Advocatus Diaboli):
Sobald du vor Ort doch „noch etwas machst“ (Arbeit, Selbstständigkeit, ggf. regelmäßige Einnahmen in einer Weise, die sozialversicherungspflichtig wird), kann sich die Zuständigkeit ändern. Genau deshalb ist der Satz „Ich arbeite ja nur ein bisschen“ in Versicherungsfragen brandgefährlich.
4) Pflege: der Punkt, den fast jeder zu spät ernst nimmt
Krankenkasse ist das eine – Pflege ist ein eigenes Kapitel.
- Viele denken: „EU, also wie zuhause.“
- In der Realität: Pflege ist oft nicht 1:1 exportierbar, vor allem Sachleistungen (z. B. Pflegedienst auf Kasse) funktionieren anders als in Deutschland.
Wenn du Kreta als langfristigen Wohnsitz planst, gehört eine einfache, ehrliche Frage auf den Tisch:
Wie sieht dein Plan aus, wenn du mit 78 nicht mehr mobil bist?
Familie in DACH? Unterstützung auf Kreta? Budget für private Hilfe? Das ist unbequem – aber entscheidend.
5) Wenn du privatversichert bist: Ohne schriftliche Bestätigung nicht umziehen
Als Privatversicherter hast du grundsätzlich drei Optionen:
Option A: Deutsche PKV weiterführen
Manche Tarife funktionieren auch bei dauerhaftem EU-Wohnsitz – andere nicht oder nur eingeschränkt. Das musst du vorher schriftlich klären:
- Gilt die Deckung dauerhaft in Griechenland?
- Wie läuft Abrechnung (Vorkasse/Erstattung)?
- Gibt es Limits für stationär/Medikamente/Reha?
- Was passiert mit Beiträgen im hohen Alter?
Option B: Internationale Expat-/Auslands-Krankenversicherung
Kann sinnvoll sein, wenn du eine „Hauptversicherung“ suchst, die dauerhaft im Ausland trägt – oft mit freierer Arztwahl und klareren internationalen Prozessen.
Option C: Kombi-Modell
Je nach Status vor Ort nutzen manche das öffentliche System plus private Ergänzung (schnellere Termine, private Kliniken, Komfort).
Unbequeme Frage:
Wenn du heute kündigst und in drei Jahren feststellst, dass du doch wieder eine starke private Lösung brauchst – bekommst du sie mit 70 noch zu vernünftigen Konditionen? Genau deshalb: erst klären, dann entscheiden.
6) Was du konkret tun solltest: Schritt-für-Schritt
6–12 Monate vor dem Umzug
- Krankenkasse kontaktieren: S1-Prozess und Voraussetzungen schriftlich bestätigen lassen.
- Prüfen, ob du ausschließlich Rente beziehst oder zusätzlich Einkünfte/Arbeit planst.
- Pflege-Thema einmal realistisch durchdenken (Plan A/B).
1–3 Monate vor dem Umzug
- S1 beantragen und Unterlagenmappe anlegen.
- Adressen/Anlaufstellen auf Kreta klären (wer hilft bei Anmeldung, Übersetzung, Terminen).
Nach Ankunft auf Kreta
- S1 registrieren, Nachweise sauber abheften, Ansprechpartner notieren.
- Optional: Hausarzt-Struktur/Netzwerk aufbauen (das spart später Stress).
Download-Checkliste
Checkliste: Krankenversicherung & Pflege beim Auswandern nach Kreta (Rentner DACH)
A) Status klären
☐ Beziehe ich ausschließlich Rente aus DACH – oder plane ich Arbeit/Einnahmen vor Ort?
☐ Gesetzlich oder privat versichert? (Tarif/Status notieren)
☐ Familienangehörige mitversichert? (Wer genau?)
B) Für gesetzlich Versicherte (GKV)
☐ Bei Krankenkasse: S1 beantragen (Datum, Ansprechpartner, Zusage schriftlich)
☐ Welche Unterlagen verlangt die Kasse zusätzlich?
☐ Klären: Wie läuft es mit Rezepten/Überweisungen im Wohnland?
☐ EHIC nur als Übergang/Urlaub verstehen, nicht als Dauerlösung
C) Für Privatversicherte (PKV)
☐ Schriftlich klären: Dauerhafter EU-Wohnsitz abgedeckt? (Ja/Nein + Bedingungen)
☐ Stationär/Medikamente/Transport/Rücktransport: Limits?
☐ Beitragsentwicklung im Alter: Prognose/Mechanik erklären lassen
☐ Alternative Expat-Police prüfen, bevor irgendetwas gekündigt wird
D) Pflege (unbedingt!)
☐ Pflegegeld: Export/Weiterzahlung klären (schriftlich)
☐ Sachleistungen: Was ist realistisch auf Kreta?
☐ Plan A/B: Wer organisiert Hilfe, falls Mobilität sinkt?
☐ Budgetrahmen definieren (monatlich / Notfallpuffer)
E) Vor Ort-Organisation
☐ Ansprechpartner auf Kreta (deutsch/englisch) für Behördengänge
☐ Notfallkontakte, Arzt-/Klinik-Liste in der Region
☐ Dokumentenmappe (digital + Papier) anlegen
Fazit: Meist machbar – aber bitte nicht improvisieren
Für viele Rentner aus DACH ist Kreta versicherungstechnisch gut lösbar – wenn du S1/Registrierung (GKV) oder Tarif-/Auslandsdeckung (PKV) frühzeitig schriftlich sauber machst.
Die wirkliche Risiko-Zone liegt fast immer bei Pflege und Nebenaktivitäten/Einkünften vor Ort, weil das Zuständigkeiten verändern kann.


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